Lara Doetsch

Von 2014 bis 2017 habe ich die Ausbildung zur Hundetrainerin bei der Akademie für Tiernaturheilkunde (ATN) gemacht. Anschließend gründete ich meine Hundeschule „Millie’s Dogs – Hundeschule“, die ich hauptberuflich betreibe.

Seit dem 19.06.2017 habe ich die Erlaubnis nach §11 Abs.1 Nr.8f des Tierschschutzgesetzes, Hunde auszubilden und deren Ausbildung anzuleiten.

Wieso ich Hundetrainerin bin

Nein, es war nicht mein sehnlichster Wunsch Hundetrainerin zu werden. Nach dem Abitur habe ich angefangen Pädagogik zu studieren mit dem Ziel in der Kinder- und Jugendhilfe zu arbeiten. Ich möchte euch nicht damit langweilen wieso, weshalb, warum es dann anders gekommen ist als geplant, jedenfalls musste ich umplanen und bin schlussendlich bei der Ausbildung zur Hundetrainerin gelandet.

Vor dieser Ausbildung dachte ich, ich würde mich mit Hunden gut auskennen, immerhin bin ich ja mit Hunden aufgewachsen! Weit gefehlt.. Während der Ausbildung musste ich einige Selbsterkenntnisse verdauen, die man sich nicht gerne selbst eingesteht. Mein erster eigener Hund musste mit mir einige unschöne Erfahrungen sammeln, weil ich dachte Hundetraining müsse so aussehen. Beispielsweise hat er Leinenführigkeit gelernt, indem er immer mal wieder einen Ruck über die Leine bekommen hat. Ich hab ihn bestraft, wenn er ins Haus gepinkelt hat und genau das hat er nach seiner Ankunft praktisch am aller liebsten gemacht. Ich habe mir keine Gedanken darüber gemacht, dass er Stubenreinheit unter so schlechten Zuchtbedingungen, wie er sie hatte gar nicht lernen konnte, oder dass die ständige Pinkelei auch ein Ausdruck von zu viel Stress sein könnte. Geändert hat das ganze Geschimpfe meinerseits natürlich gar nichts. Es hat seinen Stresspegel ja nur noch gepusht und den Zusammenhang, dass er das eben an diesem Ort nicht darf, konnte er natürlich auch nicht herstellen. Auch habe ich viel darüber gemeckert, dass mein Hund oft nicht zurück kommt obwohl ich ihn doch rufe! Der verarscht mich doch, habe ich gedacht. Aber auch hier wurde ich eines besseren belehrt und musste mir eingestehen, dass ich an diesem Problem selber schuld war.. In meiner Unwissenheit hatte ich immer so „trainiert“ (und nein, heute würde ich das nicht mehr als tatsächliches Training bezeichnen), wie die Gesellschaft und das Fernsehen es mir gezeigt hatten. Wenn so viele Menschen sagen, dass Hundetraining so auszusehen hat, dass man viel Schimpft, den Chef raushängen lassen muss und jedes „Fehlverhalten“ im Keim erstickt werden muss, dann wird das schon der richtige Weg sein.

Eben dieser Weg hat zwischen meinem ersten Hund „Elvis“ und mir eine sehr ambivalente Beziehung entstehen lassen. Er ist schon immer unglaublich anhänglich gewesen, darum war für mich klar: wenn meine Methoden tatsächlich so schlimm wären, dann würde er ja nicht immer wieder ankommen und so viel Kontakt einfordern! Dabei habe ich einen wichtigen Punkt vergessen: Mein Hund ist ein hochsoziales Säugetier, dass in Gruppenverbänden lebt. Positive soziale Interaktionen innerhalb seiner sozialen Gruppe sind für ihn Lebensnotwendig. Er braucht es für sein psychisches Wohlbefinden, ganz egal was ich sonst mit ihm veranstalte. Außerdem hat er nicht die Wahl, denn er ist zu 100% von mir abhängig. Ich bestimme wann und was er frisst, wann er Zugang zu Trinken hat, wann und wo er seinen Bedürfnissen nachgehen darf, welche Sozialpartner er wann trifft usw. Ich bestimme absolut alles in seinem Leben und erwarte trotz meinem ganzen Gemecker, Geschrei, Rucken, Zwingen und Angst machen auch noch kompletten Gehorsam und bin sauer, wenn er das nicht leistet. Natürlich haben wir auch gekuschelt, Spaß gehabt und viel positives zusammen erlebt aber alles immer mit einem bitteren Beigeschmack. Die Erkenntnis des Ganzen: Kein Wunder, dass das alles nicht so funktioniert hat, wie ich mir das vorgestellt hatte. Außerdem dachte ich ja, dass was ich tue würde ihm auch zu Gute kommen, weil er sich dann besser einfügen kann. So weit die Theorie…die Realität sah anders aus.

Zu Beginn meiner Ausbildung kam meine Hündin Millie dazu. Bei ihr wäre ich mit meinen bisherigen Methoden definitiv an meine Grenzen gestoßen! Zu Beginn bin ich das auch. Außerhalb der Wohnung war sie so gut wie nicht ansprechbar. Leckerli fürs Training? Konnte ich draußen völlig vergessen! Sie hatte besseres zu tun.. Mäuse jagen, Schnüffeln, Spielen, Wildspuren folgen..alles war wichtiger als ich. Hinzu kamen bei ihr einige Angstproblematiken und viel Unsicherheit. Es gab Strecken, die wir nicht gehen konnten, weil ihr irgendetwas Angst gemacht hat, ein falsches Geräusch, eine blöde Bewegung und mein eigener Hund lief vor MIR weg, obwohl ich ihr nie was getan hatte und schon deutlich verständnisvoller war als bei Elvis und ihr Dinge sehr viel freundlicher beibringen wollte. Aber davon ihr irgendetwas beizubringen konnte erst mal gar nicht die Rede sein. Ich wusste nämlich nicht wie… Sie hatte mit allen möglichen Dingen Probleme: dem Futternapf der wegrutscht und dabei ein Geräusch macht, beim Spaziergang blieb sie zu Beginn immer sitzen und weigerte sich weiter zu gehen, Pipi machen konnte sie anfangs auf den Spaziergängen auch nicht, wenn sich mein/ihr Tagesablauf änderte war das für sie eine Katastrophe, Angst vor engen und/oder dunklen Räumen, Angst vor Schatten an der Decke und und und… Millie hat mich nochmal mehr zum Nachdenken gebracht als Elvis und sie hat einiges in mir verändert. Ich liebe meine Hunde über alles und eins war klar: was ich bisher an „Training“ kannte und auch umgesetzt habe funktionierte schlecht, die Hunde hatten sicherlich keinen Spaß daran und ich habe immer gegen sie gearbeitet, statt mit ihnen zusammen. Also musste sich etwas ändern!

Während der Ausbildung begann ich langsam zu verstehen, wieso meine Art Training so schlecht funktionierte und dass das Wohlbefinden meiner Hunde, das Vertrauen zwischen uns und unsere komplette Beziehung darunter litt. Meine eigentliche Annahme war ja, dass dieses Training Probleme beseitigen, für mehr Ruhe und Entspannung und eine bessere Beziehung sorgen würde. Tat es aber nicht.

Seit 3 Jahren (stand:2018) arbeite ich nun mit sog. Markersignalen, positiver Verstärkung und vor allem über Freiwilligkeit.

Was sich geändert hat

für mich

Ich sehe Hunde und Tiere im allgemeinen mit anderen Augen als vorher. Ich habe verstanden, dass der Unterschied zwischen Ihnen und uns nicht so groß ist, wie ich dachte und das viele Probleme mit Tieren deswegen entstehen, weil wir Menschen ihnen ein bestimmtes Label verpassen und damit auf die falsche Art und Weise vermenschlichen. Zusätzlich wollen wir sie auf biegen und brechen in unsere menschliche Welt drängen und verlangen dabei von ihnen nach unseren Moralvorstellungen zu handeln, was völlig unrealistisch ist. Dass ein Hund genau wie ein Mensch neue Dinge langsam und in seinem Tempo lenen muss, unsere Gedanken nicht lesen kann und darum eben nicht weiß, welches Verhalten gerade von ihm erwartet wird, wenn der Mensch mal wieder „nein“ brüllt, vergessen wir auch gerne. Wir nennen ein Pferd bockig, den Hund zickig und die Katze aggressiv, weil sie nicht das tun möchten, was wir von ihnen wollen. Dabei lassen wir außer acht, dass uns ein Tier nicht gehört, nur weil wir dafür bezahlt haben. Jedes Tier gehört am Ende nur sich selbst, es hat keine Moralvorstellungen und kann sein Verhalten nicht auf die gleiche Weise reflektieren wie ein Mensch. Es ist nicht zickig oder bockig, will uns zeigen wer am längeren Hebel sitzt oder pinkelt ins Haus nur um uns zu ärgern. Das sind vermenschlichte Vorstellungen von tierischem Verhalten. Für jedes Verhalten gibt es einen Grund. Kennt man sich mit Körpersprache und Lernverhalten aus, dann ist der Grund meist gar nicht so schwer zu finden. Kennt man das Bestreben des Verhaltens, dann kann man entsprechend reagieren und trainieren. Unsere Aufgabe als intelligentes Lebewesen ist es unsere Tiere zu schützen und ihnen auf eine respektvolle Weise beizubringen, was in der Menschenwelt von ihnen verlangt wird. Auch Tiere brauchen Zeit um neues zu lernen. Sie arbeiten gerne mit uns zusammen, wenn wir ihnen zeigen, wie viel Spaß Lernen macht und das sie uns vertrauen können. (Und ja, dass klappt auch bei „Härtefällen“, denn die sind häufig nur deswegen „Härtefälle“, weil sie durch Strafe, Einschüchterung und Missachtung ihrer Bedürfnisse lernen sollten. Manche Situationen können natürlich auch einfach blöd laufen und daraus entwickelt sich z.B. Aggressionsverhalten. Wichtig ist: man kann etwas daran ändern!)

für meine Hunde

Im laufe der letzten 3 Jahren hat sich das Verhalten meiner Hunde stark verändert. Elvis hört mitlerweile völlig zuverlässig auf alle seine Signale, die wir positiv trainiert haben und er kommt gerne und vor allem schnell zu mir zurück, selbst dann, wenn er eigentlich lieber Fallobst fressen oder zu einem anderen Hund rennen möchte. Er hat wieder angefangen zu Spielen, ist deutlich ausgeglichener und unbefangener. Fazit: Er hört super und es geht ihm auch noch gut dabei!

Millie’s Ängste sind deutlich weniger geworden. Sie traut sich freiwillig in Garagen und kleine Badezimmer zu gehen, sie ist viel weniger aufgeregt und beschwichtigt weniger, wenn sie mit Fremden interagiert. Aber vor allem ist sie draußen ansprechbar! Sie kann selbst im Wald und fremder Umgebung mit mir kooperieren, Signale ausführen und versinkt nicht mehr völlig in ihrer Umwelt und vergisst mich dabei. Sie zuckt auch nicht mehr zusammen, wenn man über sie greift und ist generell viel Umweltsicherer und gelassener geworden. Sie hilft mir bei Begegnungstrainings mit einer völligen innerlichen Gelassenheit, trotz eigener Begegnungsproblematik (die wir ebenfalls gut im Griff haben). Auch bei ihr gibt es natürlich noch Baustellen (z.B.: Probleme beim Tierarzt) aber ich weiß heute, dass ich das alles in den Griff bekommen kann, wenn ich mehr Zeit ins Training investiere.

Es wird immer irgendetwas geben, dass man noch verbessern kann oder neue Probleme, die sich entwickeln weil irgendwelche Situationen blöd laufen. Aber das ist eben das Leben. Ein Hund ist keine Maschine und er muss nicht perfekt sein. Der Mensch ist es ja auch nicht..

Man kann nicht jedes Problem immer vollständig in den Griff bekommen, manches sitzt einfach sehr tief, aber man kann es zu mindest stark verbessern und das deutlich effektiver als mit meckern und einschüchtern. Ich glaube an das was ich tue, denn die Hunde mit denen ich arbeiten darf zeigen mir jeden Tag, dass es sich lohnt! Ich habe die andere Art von Training ausprobiert und ich weiß, dass sie mehr zerstört als dass sie nutzt.  Die Art von Training, die ich praktiziere und weiter geben möchte schafft Dinge, von denen ich früher nicht dachte dass sie möglich wären. Ich bin sehr froh, dass ich diesen Weg gehen kann.

Fortbildungen

2015

16.05.-17.05.   Lernen und Erziehung 1 – Übungen aus dem Alltag / Gerd Schreiber

19.09.-20.09.  Lernen und Erziehung 2 – Übungen aus dem Alltag / Gerd Schreiber

07.11.-08.11.    Lernen und Erziehung 3 – Schulung der Beobachtungsgabe / Gerd Schreiber

2016

13.02.-14.02.  Ausdrucksverhalten des Hundes / Gerrit Stephan

12.03.-13.03.  Verhaltenstraining 1 – mit dem Hund unterwegs / Heike Benzing

09.04.-10.04. Verhaltenstraining 2 – Antijagdtraining / Heike Benzing

24.04.-25.04. Ontogenese 1 – Umgang mit Welpen / Irène Julius

07.05.-08.05. Ontogenese 2 – Umgang mit Junghunden und Rüpeln / Irène Julius

28.05.-29.05. Verhaltenstraining unterwegs – Konflikte bei Hundebegegnungen an der Leine und im Freilauf / Heike Benzing

04.09.-05.09. Verhaltenstherapie  – Probleme außerhalb des Hauses Teil 1 / Dr. Ute Blaschke-Berthold

2017

21.10. Trennungsstress beim Hund / Gerrit Stephan

2018

14.03.-18.03. Hühnermodul 1 / Viviane Theby

10.05.-13.05. Differenzierte Verstärkung bei Problemverhalten / Dr. Ute Blaschke-Berthold

Webinare 

Social Walks Teil 1-Wieso sie wichtig sind und worüber wir uns als Trainer Gedanken machen müssen / Katrien Lismont

Social Walks Teil 2-Planung und Durchführung / Katrien Lismont

Training mit Hunden im Tierheim Teil 1 / Dr. Ute Blaschke-Berthold, Tatjana Held

Ernährung des Hundes und die Auswirkungen auf den Gesamtorganismus / Stefanie Krüger

 

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